Aerodynamische Basics

Zum Start unseres Blogs wollen wir uns einer Frage widmen die uns viele unserer Kunden immer wieder stellen: was kann ich tun um meine Aerodynamik zu verbessern? Oder anders ausgedrückt: wie fahre ich bei gleichem Leistungsniveau schneller?

Diese Frage ist ein Thema das eigentlich jeden ambitionierten Radsportler umtreibt. Es ist keinesfalls ein Thema das nur für die Profis relevant ist. Es Bedarf nicht unbedingt aufwendiger und kostenintensiver Windkanaltest um Deine aerodynamische Performance zu verbessern. Wir wollen Dir ein paar Tipps geben, die dir helfen werden ohne höheren Trainingsumfang schneller Rad zu fahren.

Das Kernproblem der Optimierung ist dabei so simpel wie komplex zu gleich: reduziere Deinen Fahrwiderstand! Klingt logisch, ist in der Umsetzung aber meistens gar nicht so einfach. Wo fange ich also an?

Im Wesentlichen können wir bei der Zerlegung des Fahrwiderstands drei Widerstandsfaktoren ausmachen, die der Vortriebskraft die wir durch unsere Muskulatur erzeugen, entgegenwirken: Reibungswiderstände (Kette, Lager), Rollwiderstände (Reifen) und Luftwiderstände (Fahrer, Rahmen, Laufräder). Um eins vorweg zu nehmen, bei Geschwindigkeiten jenseits der 20 km/h wird der Luftwiderstand (im flachen Terrain) zum dominierenden Faktor. Und du selbst, bzw. deine Position auf dem Rad, bietet den größten und i.d.R. zugleich kostengünstigsten Hebel. Wenn Du in den Bergen unterwegs bist gibt es einen anderen Faktor der deine Leistung erschwert: die Hangabtriebskraft. Je mehr Gewicht du den Berg hoch schleppst, umso mehr bekommst du sie zu spüren.

Wenn Du den einen oder anderen unserer Tipps umsetzen möchtest, wäre es eine ideale Voraussetzung wenn Du einen Wattmesser an deinem Rad im Einsatz hast. Dann benötigst Du nur noch eine möglichst flache und ca. 1 – 2 km lange Teststrecke auf der Du die Auswirkungen deiner Veränderungen überprüfen kannst. Du fährst die Teststrecke in einem Tempo das ca. 80 – 90% deines Wettkampftempo entspricht. Es ist absolut wichtig ein Tempo zu wählen, das du über die gesamte Strecke und alle Testwiederholungen immer konstant halten kannst! Wenn Du das machst kannst du anhand der durchschnittlichen Wattleistung über die Strecke deine Optimierungserfolge direkt sehen.

Um unsere Tipps und dein Optimierungspotential besser greifbar zu machen, haben wir versucht den Optimierungsgewinn auf eine flache Strecke von 50 km zu übersetzen und in Zeitgewinn auszudrücken. Als Ausgangsbasis haben wir einen Radfahrer mit klassischem Rennrad, einfacher Radbekleidung und aufrechter Sitzposition mit Griff am Oberlenker gewählt, der die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26 km/h zurücklegt.

Machen wir uns nun an die Optimierung!

Sitzposition

Wie wir ja schon festgestellt haben, hat deine Position auf dem Rad den größten Einfluss auf den Luftwiderstand. Um es konkret zu benennen sind das etwa 70% bis 80% des gesamten Fahrwiderstands. Es heißt also Stirnfläche reduzieren wenn du schneller werden willst! Kopf runter und Rücken möglichst flach. Das erreichst du durch eine Tieferlegung des Cockpits. Also: Spacer raus! Möglicherweise solltest Du auch noch den Vorbau gegen eine etwas längere Version tauschen um einen flacheren Rücken zu erreichen. Aber Vorsicht! An eine solche aggressivere Position solltest du dich langsam herantasten, um muskuläre Probleme zu vermeiden. Durch gezieltes Stretching und die Kräftigung deiner Muskulatur – insbesondere der Rücken- und Nackenmuskulatur - solltest Du deinen Körper auf diese neue Position vorbereiten.

Die Armhaltung solltest du möglich flach und eng gestalten. Also am Rennlenker greifst Du an den Bremsgreifen, achtest auf einen möglichst flachen Unterarm und führst die Ellenbogen etwas zusammen. Fertig!

Zeitgewinn: ca. 4:00 min

Geschwindigkeitsgewinn: ca. 0,9 km/h

Aerolenker

Mit einem klassischen Rennrad mit herkömmlichem Rennlenker hast Du damit die Optimierung der Sitzposition nahezu ausgereizt. Wenn du deine Sitzposition weiter optimieren möchtest, solltest Du in Hardware investieren: einen Aerolenker. Ein Aeroaufsatz ermöglicht es dir deine Arme vor dem Körper zu positionieren und so die Stirnfläche zu reduzieren. Je enger du die Armpads einstellst, umso größer der Effekt. Allerdings solltest Du eine Position finden die immer noch eine gute Atmung ermöglicht. Sonst wird das Ganze kontraproduktiv.

Zusätzlicher Zeitgewinn: ca. 3:30 min

Geschwindigkeitsgewinn: ca. 0,8 km/h

Bekleidung

Flattrige Bekleidung hat eine ähnliche Wirkung wie ein Bremsfallschirm. Mit eng anliegender Performance Bekleidung oder gar einem Einteiler eliminierst du diesen Faktor. Weiteres Potential steckt im Kopfschutz. Ein Aero-Helm bietet erhebliche Vorteile gegenüber den einfachen Modellen. Aber: wenn du auf einen Aero-Helm setzen möchtest, sei dir bewusst das Du auch deine Kopfhaltung trainieren musst. Jeder Blick nach unten mit Zeitfahrhelm kostet wertvolle Sekunden und kann die Vorteile des gleichen sehr schnell ins Gegenteil verkehren.

Zusätzlicher Zeitgewinn: ca. 4:00 min

Geschwindigkeitsgewinn: ca. 0,9 km/h

Laufräder

Durch den Tausch deines einfachen Alu-Laufradsatzes gegen moderne Tiefprofilfelgen aus Carbon reduzierst du Luftverwirbelungen an den Laufrädern und profitierst vom sog. Segeleffekt den du mit aerodynamisch optimierten Tiefprofilfelgen regelrecht spüren kannst. Nebenbei kaufst Du mit (guten) Aerolaufrädern aus Carbon auch ein ganz neues Fahrgefühl. Carbonfasern ermöglichen den Bau von extrem steifen und leichten Laufrädern, die deine Kraft direkt auf die Straße bringen. Achte bei Carbon Laufrädern besonders auf das Preis-Leistungsverhältnis. Die Preisspanne ist hier sehr hoch. Von 1000 – 4000 Euro ist fast alles möglich - aerodynamisch sind die Vor- bzw. Nachteile aber verschwindend gering.

Zusätzlicher Zeitgewinn: ca. 2:30 min

Geschwindigkeitsgewinn: ca. 0,6 km/h


Aerodynamische Rahmenmodelle

Als letzter Baustein im Optimierungspuzzle bleibt der Rennradrahmen selbst. Hier kann es sich durchaus lohnen in einen Rahmen mit aerodynamischen, flachen Rohren zu investieren. Allerdings ist dies in der Regel auch eine größere Investition. Die Preispanne hier ist vergleichbar mit der der Aerolaufräder. Der Performancegewinn hinsichtlich der Luftwiderstandreduzierung liegt in der Regel auf ähnlichem Niveau wie bei Aerolaufrädern.

Zusätzlicher Zeitgewinn: ca. 2:30 min

Geschwindigkeitsgewinn: ca. 0,6 km/h

Fazit

Betrachten wir die Optimierungsvorschläge in Summe ist ein Zeitgewinn von bis zu 16 Minuten möglich. Dies entspricht eine Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit um 3 bis 4 km/h. Ziemlich beachtlich!

Schauen wir noch einmal auf die 5 Optimierungstipps so stellen wir fest, dass sich die ersten drei Punkte direkt oder indirekt auf den Fahrer beziehen. In unserem Fall machen diese Punkte 75% des Optimierungspotentials aus. Die restlichen 25% kannst Du über Investition in aerodynamisch optimiertes Material herauskitzeln. Das ist doch was, oder?

Du möchtest noch mehr zum Thema erfahren oder brauchst Beratung? Dann kontaktiere uns unter info@kyzr.de oder schreiben einen Kommentar unter diesen Beitrag.

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